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Gedenkjahr 2018 in der Josefstadt

Gedenkjahr 2018 in der Josefstadt

Bewusstsein – wach sein

Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist wichtig für ein gutes Miteinander in der Zukunft. Daher  liegt es mir besonders am Herzen, dass wir im Gedenkjahr 2018 viele Menschen einbinden, vor Ort wirksam werden und somit über das Jahr 2018 hinaus Zeichen setzen.

Für das Gedenkjahr hat der Bezirk gemeinsam mit Vereinen und Initiativen ein vielfältiges Programm zusammengestellt:

Am Standort der ehemaligen Synagoge in der Neudeggergasse 12, die 1903 nach Plänen von Max Fleischer errichtet wurde, wird im Frühjahr 2018 eine Stele aufgestellt werden. Durch diese kann man die Projektion des markanten Gebäudes sehen und sich so ein Bild der Synagoge machen, die während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde.

Am 12. September wird am Hugo-Bettauer-Platz der Stummfilm „Stadt ohne Juden“ gezeigt werden, der unter anderem mit den Mitteln des Kulturbudgets der Josefstadt restauriert wurde. Der Journalist Hugo Bettauer hat mit seinem gleichnamigen Buch die Vorlage für den Film geliefert. In dem Roman wird bereits die Vertreibung der Juden vorweggenommen.  Es ist ein besonderer Moment, dass der Film an dem Ort gezeigt wird, der nach dem Journalisten, der im März 1925 ermordet wurde, benannt ist.

Im November wird gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes die App „Memento Wien - Josefstadt“ präsentiert. Dabei werden die Lebensdaten der Menschen, die enteignet, vertrieben und ermordet wurden, anhand ihrer letzten Wohnadresse virtuell sichtbar gemacht und regen zum Nachdenken an. Die App ist gerade für die jüngere Generation ein wichtiges Tool, um sich selbstständig mit der Nazizeit auseinander zu setzen.

Das Bezirksmuseum wird im Gedenkjahr ein Forum für kritische Auseinandersetzungen sein. Lesungen und Vorträge von bekannten Historikerinnen und Historikern sind Anstoß für die Beschäftigung mit unserer Vergangenheit. Des Weiteren wird am 4. November um 11:00 Uhr die Dauerausstellung über die Jüdische Geschichte der Josefstadt eröffnet.

Der Verein Centropa, der sich mit der Erforschung des jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa beschäftigt, wird mit Schülerinnen und Schülern der Josefstadt mit Hilfe von Zeitzeugendokumenten zum Anschluss 1938 arbeiten. Die Vermittlung unserer Vergangenheit an junge Menschen ist uns im Gedenkjahr 2018 ein besonderes Anliegen.

Der Verein Steine der Erinnerung in der Josefstadt engagiert sich seit 10 Jahren um mit den sogenannten „Stolpersteinen“ an die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben und ermordet wurden. Am 7. November um 19:00 Uhr  präsentiert der Verein im Bezirksmuseum die erweiterte Neuauflage des Buches „Wege der Erinnerung“, das eine umfassende Zusammenstellung der persönlichen Schicksale der Vertriebenen darstellt. Darüber hinaus sollen im Gedenkjahr sieben beschädigte Steine erneuert und zwei neue Steine gesetzt werden.

Mit dem Projekt Verlorene Nachbarschaft widmen sich seit 20 Jahren Bewohnerinnen und Bewohner der Neudeggergasse der Suche nach ihren vertriebenen jüdischen Nachbarn. Somit wird im Grätzl Bewusstsein für die Geschichte des unmittelbaren Wohnumfelds geschaffen. Im Oktober und November sollen  zeitgleich in Buenos Aires (Argentinien) und in der Josefstadt in der Neudeggergasse einige Aktivitäten zum Gedenken an die verlorene Nachbarschaft stattfinden.

Im Gedenkjahr möchten wir uns in der Josefstadt auch mit den Schicksalen geächteter und vertriebener Künstlerinnen und Künstler auseinander setzen. Das Denkmal des Operettenkomponisten Edmund Eysler (1874-1949) steht im Schönbornpark und der Standort wurde im Herbst 2017 attraktiviert. Bei einer Veranstaltung mit dem Urenkel des Komponisten am 23. Mai um 15:00 Uhr, wird besonders das Leben und Werk von Edmund Eysler sowie sein Schicksal in den Jahren 1938-1945 beleuchtet.

 „Gemeinsam möchten wir Bewusstsein für das unendliche Unrecht und die Verbrechen, die begangen wurden, schaffen und auch wachsam sein, was ein gutes und friedvolles Miteinander in unserer Gesellschaft betrifft. Das Engagement für Demokratie und Menschenrechte verbindet uns und wir möchten gerade im Gedenkjahr viele Menschen motivieren, sich für ein positives Zusammenleben in der Gesellschaft zu engagieren,“ so Veronika Mickel-Göttfert, Christine Proksch (Vorsitzende Kulturkommission), Maria Ettl (Bezirksmuseum), Tanja Eckstein (Centropa), Wolfgang Schellenbacher (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes), Leopold Radauer (Steine der Erinnerung Josefstadt) und Alexander Litsauer (Verlorene Nachbarschaft).

 

Kommende Termine zum Gedenkjahr 2018:

19. April, 19:00 Uhr: Buchvorstellung „Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner“  Martin Krist, Historiker, _erinnern.at_ - Netzwerkkoordinator Wien, Lehrbeauftragter am Institut für Zeitgeschichte – Bezirksmuseum

22. April, 11:00 Uhr:  Kulturverein Rofrano „Exil in Los Angeles“  Das Kalifornische Exil – jüdische Künstler und Künstlerinnen in Los Angeles - Bezirksmuseum

2.5., 18:00-19:30 Uhr: Vortragsreihe: 100 Jahre Republik Österreich in der Josefstadt I – Dr. Irmtraut Karlsson – Volkshochschule (Schmidgasse 18)

9.5., 18:00-19:30 Uhr: Vortragsreihe: 100 Jahre Republik Österreich in der Josefstadt I (2. Teil) – Dr. Irmtraut Karlsson - VHS

23. Mai, 15:00 Uhr: Einweihungsfest Eysler-Denkmal im Schönbornpark

30.5., 18:00-19:30 Uhr: Vortragsreihe: 100 Jahre Republik Österreich in der Josefstadt II – Dr. Irmtraut Karlsson - VHS