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Josefstadt errichtet Gedenkstele in Neudeggergasse 12

Erinnerung an zerstörte Synagoge und jüdische Nachbarschaft

 

Am Standort der ehemaligen Synagoge in der Neudeggergasse 12, die 1903 nach Plänen von Max Fleischer errichtet wurde, hat die Bezirksvertretung Josefstadt eine Gedenkstele realisiert. Durch diese kann man die Projektion des markanten Gebäudes sehen und sich so ein Bild der Synagoge machen, die während des Novemberpogroms 1938 zerstört wurde.

 

Der Architekt Max Fleischer

Max Fleischer studierte an der Technischen Universität Wien und wechselte später an die Akademie der bildenden Künste. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung nahm er eine Stelle im Architektenbüro des Rathauserbauers Friedrich von Schmidt an und war demnach auch am Neubau des Wiener Rathauses beteiligt, wo er an prominenter Stelle verewigt ist. Bekannt wurde er als Planer von drei neogotischen Synagogen in Wien, darunter jene in der Neudeggergasse, welche Platz für 580 Personen bat. Alle drei Synagogen wurden beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Max Fleischer war sehr aktiv im Vorstand der jüdischen Gemeinde für den 6. und 7. Bezirk und ist 1905 in Wien verstorben.

 

Die Realisierung

Die Gedenkstele in Erinnerung an die Synagoge in der Neudeggergasse wurde von Bob Martens angeregt, von Herbert Peter gestaltet und von Mischa Guttmann ausgeführt. Das Projekt „Verlorene Nachbarschaft“, unter der Federführung von Alexander Litsauer, und die Kulturkommission Josefstadt, unter dem Vorsitz von Christine Proksch, errichteten die Stele.

 

„Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden, die mit uns an diesem Projekt gearbeitet haben und an der Realisierung beteiligt waren. Gemeinsam wollen wir Bewusstsein für das unendliche Unrecht und die Verbrechen, die in der Nazizeit begangen wurden, schaffen und auch wachsam sein, was ein gutes und friedvolles Miteinander in unserer Gesellschaft betrifft. Mit der Errichtung der Stele wollen wir in diesem Sinn ein bleibendes Zeichen setzen. In Erinnerung an die Menschen die vertrieben und ermordet wurden, aber auch in Erinnerung der Kultur die für diese Stadt verloren gegangen ist. Es geht uns auch um die Weitergabe von Erinnerungen an jüngere Generationen, denn es gibt immer weniger Menschen, die von dieser Zeit unmittelbar berichten können.“, so die Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert und Vorsitzende der Kulturkommission Josefstadt Christine Proksch.

 

Der Eröffnungsabend

Die Eröffnung der Gedenkstele fand unter einem stimmungsvollen Rahmenprogramm statt. Oberkantor Shmuel Barzilai von der Isrealitischen Kultusgemeinde erinnerte in seinen Worten an Kantor Zawel Kwartin, einer der berühmtesten Kantoren des 20. Jahrhunderts, der sechs Jahre in der Synagoge der Neudeggergasse tätig war.

Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Josefstädter Komponistin Gabriele Proy, welche für ihr Werk mit dem Kunstpreis der Stadt Wien 2013 ausgezeichnet wurde, dargeboten wurde das Programm von der Cellistin Edda Breit. Sie wählte ein Stück der Komponistin Ursula Mamlok, für die, wie für alle Juden, Mitte der 1930er Jahre eine Zeit von Benachteiligung und Unterdrückung begann, sowie eines der Wiener Komponistin Ruth Schönthal, welche 1938 mit ihrer Familie nach Stockholm emigrierte und später über Moskau und Wladiwostok nach Mexiko floh.

 

Kulinarisch wurden die Gäste durch ein Sponsoring des koscheren „Shefa Markt“ versorgt.

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